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Mittwoch, 1. Oktober, 19.30 Uhr
Das Haus lag an einer stark befahrenen Strasse. Es sah leicht heruntergekommen aus. Es war 19.30 Uhr. Sascha wollte schon die Haustüre aufschieben, da verliess ihn der Mut. Was würde ihn wohl erwarten, wenn er jetzt eintreten würde? Was sollte er sagen, wenn ein junger Schwuler die Türe öffnen würde? Sascha beschloss, noch einmal rund ums Haus zu gehen und Mut zu sammeln. Als er wieder vor der Haustüre stand, kamen von der anderen Seite zwei Jungs und steuerten geradewegs auf die Haustüre zu. Schnell weg hier, dachte Sascha. Also wieder eine Runde ums Haus...


Mittwoch, 1. Oktober, 21 Uhr
Als Sascha in der S-Bahn sass und nach Hause fuhr, nervte er sich. Warum hatte er es nicht geschafft, reinzugehen? Shit.

Mittwoch, 8. Oktober
«Heute muss ich es schaffen», hatte sich Sascha am Morgen noch gesagt. Nun ging er langsam auf die Eingangstüre zu und hatte schon wieder weiche Knie. Aber er nahm sich zusammen, holte tief Luft und stiess die Haustüre auf. Er kam in ein dunkles Treppenhaus. «Jugendgruppe im 3. Stock» hatte es an der Tafel neben der Haustüre geheissen. Sascha stieg schweren Herzens die schier endlos scheinende Treppe hinauf. Bereits hörte er Stimmen und Gelächter. Anscheinend war da oben ordentlich etwas los... Als er dann im dritten Stock ankam, stand die Wohnungstüre weit offen. Drei Jungs sassen auf der Treppe und musterten ihn von oben bis unten. Bevor Sascha den Jungs «Hallo» sagen konnte, stand schon ein Teammitglied der Jugendgruppe vor ihm, streckte ihm die Hand hin und sagte: «Hi, ich bin Martin. Bist du das erste Mal hier?» Dass das hier so unkompliziert ablief, hätte Sascha nicht geglaubt. Martin nahm sich viel Zeit für ihn. Er zeigte ihm die ganze Gruppe, gab ihm viele Broschüren und Infoblätter und diskutierte über eine Stunde mit ihm über sein Coming Out. Für Sascha war alles hochinteressant. Er saugte jede Information auf wie ein trockener Schwamm. Als Martin bemerkte, dass Sascha immer mehr mit den Augen herumschweifte und die Jungs musterte, sagte er: «Okay, ich denke, dass du dich jetzt am besten unter die Leute mischst.» Martin stellte Sascha noch ein paar Kollegen vor und zog sich dann diskret zurück. Saschas Nervosität war schlagartig verflogen. Innert kurzer Zeit lernte er einige Jungs kennen und diskutierte mit ihnen über Gott und die Welt. Es war mega spannend zu erfahren, was die anderen Boys für Coming Out - Erfahrungen gemacht hatten.


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