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Freitag, 26. September, 14 Uhr
Den ganzen Nachmittag hatte Sascha mit Ralph verbracht. Sie hatten zusammen in der Schulbibliothek gelernt. Eigentlich hatte Sascha geglaubt, dass sich die Gefühle, die er für Ralph empfand, etwas gelegt hätten. Denkste. Den ganzen Nachmittag verspürte er die Schmetterlinge im Bauch. Er hatte Mühe, sich auf den Schulstoff zu konzentrieren, und musste sich zusammenreissen, dass er nicht die ganze Zeit seinen Schulkollegen verträumt anstarrte. Ein paarmal hatte ihn Ralph zufällig berührt, und jedesmal fuhr es wie ein Stromstoss durch Sascha. Als sie den Schulstoff mehr oder weniger intus hatten, packten beide die Schulbücher zusammen. «Kommst du noch mit? Denise und noch ein paar andere gehen noch Billard spielen»,sagte Ralph. Klar wäre er mitgegangen. Aber wenn Denise dabei war - das hielt er nicht aus. Denise war Ralphs neue Freundin. Seit er sie kennengelernt hatte, verbrachten Ralph und Sascha nicht mehr sehr viel Zeit miteinander.
Freitag, 26. September, 18 Uhr
Sascha kam in sein Zimmer und schmiss seinen Rucksack wütend in die Ecke. Er war wütend auf sich selber. Diese ewige Eifersucht auf Denise machte ihm zu schaffen. Er wusste natürlich, dass er eigentlich gar keinen Grund zur Eifersucht hatte. Es war ja sonnenklar, dass Ralph heterosexuell war und er daher nie Chancen bei ihm hätte. Warum sollte Ralph also keine Freundin haben? Und trotzdem war die Vorstellung, dass Ralph Denise in seine Arme nehmen und mit ihr rumknutschen würde, unerträglich. Es war, wie wenn jemand mit einem Messer in seinem Herzen herumstochern würde. Sascha lag auf seinem Bett, starrte die Decke an und grübelte. So konnte es einfach nicht weitergehen. Er konnte nicht ständig jemandem nachtrauern, der sicherlich seine Gefühle nicht erwidern würde. Er musste endlich andere schwule Jungs kennenlernen. Aber das war leichter gedacht als getan. Er kannte ja niemanden. Zwar wusste er, dass es in der Stadt gleich vorne beim See einen grossen Autoparkplatz mit verstecktem Toilettenhäuschen gab. Er hatte schon gehört, dass sich dort immer irgendwelche alten Schwuchteln herumtrieben und sämtliche Jungs anmachten, die vorbei gingen. Zwei Kollegen aus der Parallelklasse hatten mal erzählt, dass sie gefragt worden seien, ob sie sich rasch 100 Franken verdienen wollten. Nein, das war definitiv nicht das, was Sascha unter <Gleichgesinnte kennenlernen> verstand. Es musste doch eine andere Möglichkeit geben, an etwa gleichaltrige Jungs ranzukommen. Aber wie?
Samstag, 27. September, 14 Uhr
«Und wenn du hier den Suchbegriff eingibst, listet dir die Search Machine alle Dokumente auf, die sie gefunden hat. Okay?» Der Typ vom Cyber Café verzog sich wieder in die hintere Ecke des Raumes und erklärte einem anderen User, wie das Chatprogramm funktionierte. Das kam Sascha gerade recht. Gestern war ihm nämlich plötzlich die Idee mit dem Internet gekommen. Bei einem Kollegen zu Hause hatte er mal gesehen, dass man sich übers Netz alle möglichen Infos beschaffen konnte. Sie hatten damals auch Bildergalerien gefunden, in denen sich hunderte von Pornobildern herunterladen liessen. Natürlich hatte sein Kollege nur nach Frauenbildern gesucht. Gestern nun war Sascha plötzlich die Idee gekommen, dass es auf dem Internet sicher auch knackige Männer zu bewundern gab. Also war er ins Cyber Café gegangen. Tja, nun sass er da vor dem Computer und wollte herausfinden, wie er andere schwule Jungs kennenlernen konnte. Als erstes tippte er das Wort <gay> in das Suchprogramm ein. Es dauerte ein paar Sekunden, bis die Resultatseite auf dem Bildschirm erschien. Sascha traute seinen Augen kaum: 312'497 documents found. Himmel, gab es so viele schwule Angebote auf dem Netz? Aus Neugierde klickte Sascha auf eine der zahlreichen Männergalerien. Was er dann zu sehen bekam, trieb ihm manchmal die Schamröte ins Gesicht: Haufenweise erotische, sinnliche, manchmal auch schlicht geile Jungs und Kerle, die viel nackte Haut zeigten. Sascha seufzte. Wo steckten sie nur, all diese Boys? Schwules Leben konnte offenbar so schön sein...
Nach einer Weile kam der Betreuer des Internet Cafés wieder zu ihm. «Na, alles ok?» Sascha wurde leicht rot und klickte sofort auf ein anderes Bild. Es musste ja nicht gleich jeder sehen, dass er sich Bilder von nackten Männern runterlud. Als der Betreuer wieder gegangen war, wählte er sich in eine amerikanische Datenbank ein, die zwar keine Bilder anbot, dafür um so fundiertere Informationen. Eigentlich hatte Sascha zwar nur Adressen von schwulen Treffs in seiner Umgebung gesucht, aber was er hier zu lesen bekam, begann ihn zu faszinieren...

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