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Samstag, 10. August
Sascha erwachte mitten in der Nacht und merkte, dass seine Unterhose feucht war. «Schon wieder ein feuchter Traum», fluchte er innerlich, stand auf und schlich sich ins Bad. Als er die Sauerei beseitigte, versuchte er zu rekonstruieren, was er geträumt hatte. Er konnte sich nur noch an Bruchstücke erinnern: Er und Ralph waren zusammen in den Bergen. Bei einer abgelegenen Berghütte machten sie halt und legten sich ins Gras. Sie schauten sich tief in die Augen - und dann fuhr Ralph mit der Hand über Saschas Gesicht. Sascha erwiderte die Zärtlichkeit. Ihre Gesichter kamen näher und näher, bis sich Ralphs weiche Lippen sanft auf die von Sascha drückten. Mist, Sascha hatte schon wieder eine Erektion. Als er wieder in seinem Zimmer war, lag er noch stundenlang wach im Bett. Er hatte sich in Ralph verknallt, soviel war ihm jetzt klar. Er war schwul. Daran gab es nichts mehr zu rütteln. Aber was sollte er jetzt tun? Er konnte unmöglich zu Ralph gehen und ihm seine Gefühle gestehen. Was, wenn er negativ reagieren würde? Was, wenn er allen Klassenkollegen ezählen würde, dass ihn Sascha angemacht habe? Die Klasse würde ihn fertig machen. Ganz sicher. Sascha drehte sich im Bett hin und her. Er kam sich extrem alleine vor. Was sollte er nun tun? Wie würde er jemals Gleichgesinnte treffen? Was sollte er seinen Eltern sagen? Die nervten ihn eh dauernd mit der Frage: «Wann bringst du denn endlich mal eine Freundin nach Hause?».

Dienstag, 26. August, 18 Uhr
«Lass uns etwas trinken», sagte Saschas Schwester. Die zwei waren wieder einmal zusammen in der Einkaufsmeile ihrer Kleinstadt unterwegs und hatten vergeblich nach neuen Klamotten gesucht. Sascha ging immer mit seiner 4 Jahre älteren Schwester einkaufen, weil er sich auf ihren Geschmack verlassen konnte. Die Beiden fanden einen freien Tisch mitten im Garten in einem ruhigen Café. «Geht's dir eigentlich gut?», fragte seine Schwester und schaute ihn prüfend an. «Ja sicher. Warum meinst du?» - «Weisst du, Sascha... Irgendwie hast du dich in der letzten Zeit verändert. Du bist so ruhig. Früher hast du viel mehr gelacht, warst weniger gereizt und hast dich nicht so zurückgezogen. Mir ist es zuerst gar nicht so aufgefallen, aber Mutter hat mich mal darauf angesprochen. Und ich hab dich in der letzten Zeit etwas beobachtet. Stimmt etwas nicht?» In Sascha begann es zu brodeln. Natürlich stimmte etwas nicht. Er war schwul. Aber er getraute sich nicht, es seiner Schwester so direkt zu sagen. Natürlich hatte er es sich schon lange überlegt, ob er sie einweihen sollte. Denn er war das ewige Versteckspielen leid. In seiner Familie war immer Wert darauf gelegt worden, dass man seine Sorgen und Anliegen offen auf den Tisch legen konnte. Aber wie war das mit dem Schwulsein? Würden das seine Eltern verkraften? Wie würde seine Schwester reagieren? Sascha hatte einen dicken Klos im Hals. «Ich spüre doch, dass etwas nicht stimmt», doppelte sie nach. «Na?» Sascha verriss es innerlich fast. Sollte er, oder sollte er nicht? Himmel, Arsch und Zwirn... jetzt wäre die Gelegenheit, aber er war wieder zu feige. Genau, wie bei Ralph... «Ich...», stotterte er. «Ja?» - «Ich ... kann dir das nicht sagen.» - «So schlimm?» - «Nein, eigentlich nicht.» - «Na also, los! Raus damit.» Warum musste seine Schwester nur so bohren?

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