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  Sonntag, 19. Juli
Warum waren die Wochenenden in der letzten Zeit immer so kurz? Schon war es wieder 20 Uhr, und Christian musste auf den Zug, der ihn in die Kaserne irgendwo in der Innerschweiz brachte.
  Die beiden umarmten sich noch einmal innig, dann musste Christian einsteigen. Noch ein flüchtiger Kuss, dann schlossen sich die Türen, und der Zug setzte sich langsam in Bewegung. Die zwei Tage, die sie zusammen verbracht hatten, waren extrem schnell vergangen.
  Christian war natürlich müde und gereizt, als er nach Hause kam. Und die ganze Wäsche musste ja auch noch gewaschen werden. Doch Sascha liess sich die Stimmung nicht verderben, nahm ihn fest in die Arme und sorgte so dafür, dass Christian den Stress der vergangenen sechs Wochen schnell vergass.
  Der frischgebackene Rekrut hatte sich zwar gut im Militär eingelebt, aber es belastete ihn immer noch, dass er nicht offen zu seinem Schwulsein stehen konnte. «Was nicht ist, kann ja noch werden. Abwarten!», hatte Sascha darauf gesagt.
  Als der Zug nicht mehr in Sichtweite war, drehte sich Sascha um und schlenderte gedankenversunken zur Tramhaltestelle. Die RS war nicht nur für Christian eine mühsame Erfahrung. Auch Sascha litt darunter, dass er seinen Freund so selten sah. Und er spürte auch, dass sich Christian irgendwie zu verändern begann.
  Kein Wunder, wenn man 15 Wochen derart in einer anderen Welt lebte. Sascha fragte sich nur, ob dieser Wandel nicht auch ihre Beziehung beeinflussen würde.
Mittwoch, 29. Juli
Da Christian weg war, hatte Sascha wieder mehr Zeit für sich. Daher hatte er beschlossen, sich in der Jugendgruppe aktiv zu beteiligen. Als er vor ein paar Wochen einem Teammitglied seine Mitarbeit angeboten hatte, war er mit offenen Armen empfangen worden. «Was möchtest du denn am liebsten machen?», hatten sie ihn gefragt. Sascha hatte sich das schon zu Hause gefragt. Eigentlich machte er alles gerne. Aber dann hatte er sich an die Zeit zurück erinnert, als er neu in die Gruppe kam. Die Art der Betreuung, die er damals erhalten hatte, hatte ihm sehr gut getan. Daher hatte er sich entschlossen, sich um die Betreuung der <Neulinge> zu kümmern. Und heute war es nun soweit: er hatte zum ersten Mal Dienst. Also stand er pünktlich um 19.30 Uhr dicht beim Eingang, hatte sich ein Namenstäfelchen angesteckt und wartete auf sein erstes <Opfer>. Es dauerte nicht lange, bis ein etwa 19jähriger Junge etwas unsicher die Treppe hinauf stieg. An der Art, wie er sich umsah, erkannte Sascha sofort, dass dieser Junge noch nie dagewesen war. «Hi, ich bin Sascha. Ich gehöre hier zum Team. Bist du neu hier?» - «Hallo, ich heisse Stefan. Ja, äh, ich war noch nie hier.» - «Kein Problem». Sascha zeigte alle Räume, drückte ihm allerlei Infomaterial in die Hand und setzte sich mit ihm dann an ein Tischchen im Aufenthaltsraum. «Von eurer Gruppe habe ich aus der Zeitung erfahren. Vor gut einem halben Jahr war doch da dieser Artikel in der Jugendbeilage. Den hab' ich mir ausgeschnitten und seither im Tagebuch aufbewahrt. Eigentlich wollte ich schon viel früher hierher kommen, aber ich hab mich nicht getraut. Aber jetzt hab ich es nicht mehr ausgehalten. Es muss unbedingt etwas passieren. Ich habe mich etwa vor einem Jahr Hals über Kopf in meinen Schulkollegen verliebt.» Sascha grinste innerlich. Diese Geschichte kannte er...