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Freitag, 13. März
Sascha sass in seinem Zimmer am Pult und schmökerte in seiner alten Agenda rum. Er hatte die alten Terminkalender immer behalten, da das für ihn sowas wie ein Tagebuch war. Sascha lehnte sich in den Stuhl zurück und liess seinen Blick aus dem Fenster schweifen. Das letzte Jahr war wie im Fluge vergangen. Er hatte den Eindruck, dass sich in seinem Leben noch nie soviel in derart kurzer Zeit verändert hatte. Wenn er zurückdachte, wie schlecht es ihm vor einem Jahr gegangen war...
Sogar Saschas Mutter hatte sich langsam an die neue Situation gewöhnt. Sie hatte offenbar auch langsam verdaut, dass sie keine Enkelkinder von Sascha bekommen würde und dass ab jetzt öfters mal Saschas Freund zum Nachtessen erscheinen würde. Sascha blätterte zwei Seiten weiter. Ach ja, an diesen Tag erinnerte sich Sascha noch gut. Es war, als Christian zum ersten Mal zu ihm nach Hause kam und Saschas Eltern präsentiert wurde. Die Stimmung war total verklemmt, aber nach einer Weile hatte Sascha das Gefühl, dass seine Mutter Christian heimlich ins Herz geschlossen hatte. Sie konnte es zwar nicht offen zugeben, aber was nicht ist, kann ja noch werden...

Donnerstag, 14. Mai
Saschas Stimmung war nahe dem Gefrierpunkt. Eben hatte ihn Christian angerufen. Dass Saschas Freund im Sommer in die RS einrücken musste, hatte er ja gewusst, schliesslich hatte Christian schon vor ein paar Wochen den Marschbefehl erhalten. Doch damals hatte er noch geglaubt, dass Christian sich ein Zeugnis besorgen konnte, das ihn vom Militärdienst dispensieren könnte. Aber heute war nun der negative Bescheid der Untersuchungskomission gekommen: Christian musste definitiv einrücken. Scheisse. Sascha wollte gar nicht dran denken, dass er seinen Freund bald nur noch am Wochenende sehen konnte. «Du bist gut. Mir machen ganz andere Sachen Sorgen», stöhnte sein Freund. «Was, wenn die rauskriegen, dass ich schwul bin? Die machen mich doch fertig...» - «Das wird schon nicht so schlimm sein. Wir sind schliesslich nicht mehr im Mittelalter.» Aber so richtig glauben konnte Sascha auch nicht, was er da sagte. «Irgendwie kommt mir diese Situation bekannt vor. Genauso ging es mir vor zwei Jahren, als ich mein Coming Out bei meinen Eltern hatte», sagte Christian. Stimmt eigentlich, dachte Sascha, in dieser Broschüre über junge Schwule hatte doch auch gestanden, dass man immer wieder Coming Out - Situationen erleben würde: Bei den Eltern, in der Schule, bei Freunden, am Arbeitsplatz, und so weiter...